Der Verband Berufsbildung Oberaargau leistet einen Beitrags zur Förderung des beruflichen Nachwuchses und zur Versorgung des regionalen Arbeitsmarktes mit qualifizierten Fachkräften und Nachwuchskadern. Er fördert die Zusammenarbeit in der Lehrlingsausbildung.

Krampfen macht Spass

Krampfen macht Spass

Huttwil: Auf dem Bauernhof von Fritz Mathys er­leben drei Schülerinnen und ein Schüler, was die landwirtschaftliche Tätigkeit alles beinhaltet. Möglich macht dies der ­Berufsinformationstag.

Es ist kalt, bitterkalt an diesem frühen Dienstagmorgen, als Melissa Jordi, Sara Hofstettler, Salome Hagios und Tobias Hebeisen auf dem Bauernhof von Fritz Mathys eintreffen. Heute tauschen die vier ihre Schulbank mit dem interessanten Berufsleben. Dies dank des in Huttwil statt­findenden Berufsinformationstages.
Der in einem Wohnquartier gelegene Bauernhof umfasst 29 Hektaren Land, viel für diesen Standort. 25 Kühe müssen hier jeden Tag gefüttert und gemolken werden. Bauer Fritz Mathys nimmt die vier Jugendlichen mit auf einen Rundgang, erklärt seinen modernen Melkstand, zeigt die kleinen und herzigen Kälber und beantwortet Fragen.
Beim Füttern der Kühe können die ­Lernenden gleich so richtig an­packen. Sie haben eine Menge Spass dabei, und im Handum­drehen ist der Futtertisch gefüllt mit saftigem Gras – zur Freude der vielen hungrigen Vierbeiner.

Mitten im Landleben

Hauptsächlich erlernen den Bauernberuf eigentlich Männer. Auf den ersten Blick sieht man nämlich den Teilnehmerinnen ihren Berufswunsch nicht wirklich an. Mit ihrer schlanken Statur wirken sie für den Hofalltag einen Tick zu zierlich.

Fünf Minuten später stehen sie lachend im Stall, umringt von einem halben Dutzend Kühen, und legen sich ins Zeug. «Die Arbeit mit Tieren macht uns Spass», sagen die drei Mädchen. Und schon merkt man: Die Schülerinnen sind genau dort, wo sie sein sollten: mitten im Landleben.

Endlich dürfen die Kühe auf die Weide. Lehrling Matthias Leuenberger öffnet die Gatter, die Vierbeiner können den Weg auf die Wiese kaum abwarten. Unbe­fangen läuft Bauer Fritz Mathys neben den Tieren, legt manchmal lässig die Hand auf den Rücken einer Kuh. Die Jugendlichen folgen und beobachten das Geschehen von etwas weiter weg.

Weil das Gras an diesem Morgen mit Raureif bedeckt ist, verzögert sich der Prozess. «Wenn das Gras gefroren ist und es die Kühe fressen, kann es zu Durchfall kommen», sagt Fritz Mathys. Deshalb verschiebt er den Weidegang etwas nach hinten.

Sie sind noch unschlüssig

Jeden Morgen um sechs stehen Fritz Mathys und sein Lehrling Matthias Leuenberger im Stall. Zehn bis zwölf Stunden lang ist ein durchschnittlicher Arbeitstag. Die Aufgaben werden klar aufgeteilt und strukturiert. Lehrling Matthias absolviert auf dem Hof seine Ausbildung zum Landwirt EFZ und unterstützt den Bauern bei allen Arbeiten.
Melissa, Sara, Salome und auch Tobias hadern mit ihrer Entscheidung. Sie wissen noch nicht recht, welchen Beruf sie in weniger als zwei Jahren erlernen wollen. Für Melissa Jordi wäre die Ausbildung zur Landwirtin die zweite Berufswahl. Ihr Herz schlägt für grosse Maschinen. Eine Ausbildung zur Berufskraftfahrerin wäre für die Eriswilerin spannend.
Tobias Hebeisen geht es ähnlich. Er schwankt zwischen Zimmermann, Landwirt und Landmaschinenmechaniker. Sara Hof­stettler und Salome Hagios sind noch unschlüssiger und haben ebenfalls mehrere Berufe, die sie interessieren.

Die Ausbildung zum Landwirt bedeutet für Jugendliche einen Perspektivenwechsel: «Sie müssten sich in eine neue Familie integrieren und körperlich arbeiten. Das Arbeiten mit den Händen ist befriedigend, weil man die Resultate gleich sieht», sagt Bauer Fritz Mathys. Der Landdienst sei äusserst abwechslungsreich. Schulisch nehmen die Herausforderungen stetig zu. Wer sich diesen nicht gewachsen sieht, kann in die zweijährige Ausbildung zum Agrarpraktiker wechseln. Am Schluss hat man trotzdem ein Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis in den Händen.

Zeiten haben sich geändert

Gegen Mittag ist es so weit: Der Traktor wird benötigt. Die Herzen der Lernenden schlagen höher, besonders jenes der Maschinenliebhaberin Melissa. Ausgerüstet mit Weidepfählen und Vorschlaghammer, macht sich die Truppe auf den Weg zur Weide. Hier muss ein neuer Zaun her. Die drei Mädchen und der Knabe stellen ihre Kräfte auf die Probe. Mit Bravour – die Pfähle werden fachmännisch verankert. Die Fahrt zurück ist kurz. Als sie beim Bauernhof ankommen, ist der Vormittag auch schon vorbei.
Ein paar Hühner halten, Gemüse ziehen und Obstbäume pflegen: Wer über den notwendigen Umschwung sowie Zeit und etwas Talent verfügt, kann sich in der Kleinlandwirtschaft ver­suchen. Unterstützung vom Staat in Form von Direktzahlungen gibt es dafür aber nicht. Dafür, direktzahlungsberechtigt zu werden, ist eine landwirtschaftliche Ausbildung notwendig.
Dennoch, viele Bauernbetriebe kämpfen heutzutage mit der Nachfolge­regelung. Während früher klar war, dass ein Sohn den Betrieb weiterführen würde, ist dies nun nicht mehr selbstverständlich. Bauer Fritz Mathys sagt dazu: «Die Zeiten haben sich eben geändert.» (Berner Zeitung)

Quelle: Artikel in der Berner Zeitung

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